Die PMA (Premarket Approval) ist das Zulassungsverfahren der US-amerikanischen FDA für Medizinprodukte der Klasse III. Rechtsgrundlage sind Section 515 des FD&C Act und 21 CFR Part 814. Anders als bei der 510(k) belegt der Hersteller mit gültiger wissenschaftlicher Evidenz, meist klinischen Daten, dass das Produkt sicher und wirksam ist.
Definition und Rechtsgrundlage
Die Premarket Approval (PMA, deutsch etwa Zulassung vor dem Inverkehrbringen) ist das Verfahren, mit dem die US-amerikanische Behörde FDA Medizinprodukte der Klasse III wissenschaftlich und regulatorisch prüft. Die FDA bezeichnet die PMA selbst als die strengste Form eines Marktzugangsantrags für Medizinprodukte. Ein Produkt, für das eine PMA erforderlich ist, darf erst nach deren Genehmigung in den USA vermarktet werden.
Gesetzliche Grundlage ist Section 515 des Federal Food, Drug, and Cosmetic Act (FD&C Act, das US-Bundesgesetz über Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika), im US Code als 21 U.S.C. 360e geführt. Die Einzelheiten des Verfahrens regelt die Verordnung 21 CFR Part 814 („Premarket Approval of Medical Devices“).
Für welche Produkte die PMA gilt
Die PMA gilt für Produkte der Klasse III (siehe FDA-Klassifizierung). Nach 21 CFR 860.3 gehört ein Produkt in diese Klasse, wenn die Informationen nicht ausreichen, um zu zeigen, dass allgemeine Kontrollen (General Controls) und gegebenenfalls besondere Kontrollen (Special Controls) eine hinreichende Gewissheit über Sicherheit und Wirksamkeit bieten. Hinzukommen muss, dass das Produkt lebenserhaltend oder lebensunterstützend ist, eine wesentliche Bedeutung für die Verhinderung gesundheitlicher Beeinträchtigungen hat oder ein potenziell unzumutbares Risiko einer Erkrankung oder Verletzung birgt.
Part 814 erfasst insbesondere Klasse-III-Produkte, die vor dem 28. Mai 1976 nicht auf dem Markt waren und keinem damals vermarkteten oder später in Klasse I oder II eingestuften Produkt wesentlich gleichwertig sind. Außerdem gilt er für Produktarten, für die eine Regelung nach Section 515(b) eine PMA ausdrücklich verlangt.
Abgrenzung zur 510(k)
Der grundlegende Unterschied liegt im Prüfmaßstab. Bei der 510(k) Premarket Notification zeigt der Hersteller, dass sein Produkt einem rechtmäßig vermarkteten Vergleichsprodukt wesentlich gleichwertig ist (siehe Predicate Device und Substantial Equivalence). Bei der PMA muss der Antrag dagegen selbst eine hinreichende Gewissheit (reasonable assurance) belegen, dass das Produkt sicher und wirksam ist. Denselben Maßstab nennt die FDA auch für das De-Novo-Verfahren.
Die FDA stützt diese Entscheidung nach 21 CFR 860.7 nur auf gültige wissenschaftliche Evidenz (Valid Scientific Evidence). Einzelne Fallberichte und unbelegte Meinungen gelten nicht als Nachweis. Der Wirksamkeitsnachweis soll hauptsächlich auf gut kontrollierten Studien beruhen, sofern die FDA nicht ausnahmsweise andere Evidenz zulässt. In der Praxis bedeutet das für die PMA in aller Regel klinische Daten.
Inhalt des Antrags
21 CFR 814.20 legt fest, was ein PMA-Antrag enthalten muss, sofern der Antragsteller das Weglassen einzelner Punkte nicht begründet. Dazu gehören unter anderem:
- eine Zusammenfassung mit den Indications for Use, der Produktbeschreibung, alternativen Behandlungs- oder Diagnoseverfahren, der Vermarktungsgeschichte und einer Schlussfolgerung mit Nutzen-Risiko-Betrachtung,
- eine vollständige Beschreibung des Produkts, seiner Funktionsprinzipien sowie der Herstellungsverfahren und -kontrollen,
- Angaben zu anwendbaren Normen und eine Begründung jeder Abweichung,
- Ergebnisse nichtklinischer Laborstudien und klinischer Prüfungen am Menschen,
- Kopien der gesamten vorgeschlagenen Kennzeichnung (Labeling) sowie Angaben zur Anwendung bei pädiatrischen Patienten.
Hat der Antragsteller keinen Sitz in den USA, muss ein bevollmächtigter Vertreter mit Sitz in den USA den Antrag gegenzeichnen. Eine PMA kann nach 21 CFR 814.15 auch allein auf klinischen Daten aus dem Ausland beruhen, wenn diese auf die US-Bevölkerung und die medizinische Praxis in den USA übertragbar sind, die Prüfer anerkannt kompetent sind und die FDA die Daten validieren kann. Für diesen Fall empfiehlt die Verordnung ein vorheriges Treffen mit der FDA (siehe Pre-Submission).
Die FDA beschreibt drei Antragswege: die traditionelle PMA, bei der der vollständige Antrag auf einmal eingereicht wird, die modulare PMA, bei der abgegrenzte Module nacheinander eingereicht und getrennt geprüft werden, und das Product Development Protocol. Ein von der FDA als abgeschlossen erklärtes Product Development Protocol gilt als genehmigte PMA.
Ablauf der Prüfung
Nach Eingang des Antrags entscheidet die FDA innerhalb von 45 Tagen, ob er vollständig genug für eine inhaltliche Prüfung ist (Filing). Unvollständige Anträge kann sie zurückweisen (Refuse to File). Mit dem Filing-Datum beginnt ein Prüfzeitraum von 180 Tagen. Reicht der Antragsteller eine wesentliche Ergänzung (Major Amendment) nach, kann sich der Zeitraum um bis zu 180 Tage verlängern (Fristen nach 21 CFR Part 814, Stand Oktober 2026).
Zur inhaltlichen Prüfung gehören nach Angaben der FDA eine wissenschaftliche, regulatorische und qualitätsbezogene Bewertung, eine Inspektion des Qualitätsmanagementsystems, die für alle Original-PMAs vorgesehen ist, und ein Audit der klinischen Studiendaten (Bioresearch Monitoring). Die FDA kann den Antrag einem externen Beratungsgremium (Advisory Panel) vorlegen. Beantragt der Hersteller das, muss sie es tun, sofern das Gremium die Informationen nicht bereits geprüft hat. Das Gremium berät in einer öffentlichen Sitzung und gibt eine Empfehlung ab.
Am Ende steht eine von vier Entscheidungen: eine Genehmigung (Approval Order), ein Approvable Letter mit Bedingungen, ein Not Approvable Letter mit den Mängeln oder eine Ablehnung. Antwortet der Antragsteller auf eine Nachforderung oder einen solchen Letter nicht innerhalb von 180 Tagen, gilt der Antrag als zurückgezogen.
Die Genehmigung kann mit Auflagen verbunden sein, etwa mit Vertriebsbeschränkungen, weiterer Bewertung im Markt, hervorgehobenen Warnhinweisen in der Kennzeichnung oder periodischen Berichten. Hinzu kommen die Meldepflichten nach 21 CFR Part 803 (siehe Marktbeobachtung).
Eine Sonderform ist die Humanitarian Device Exemption (HDE) nach Subpart H von Part 814. Sie betrifft Produkte für Erkrankungen, die in den USA höchstens 8.000 Personen pro Jahr betreffen, und befreit von den Anforderungen an den Wirksamkeitsnachweis.
Änderungen nach der Zulassung: PMA Supplements
Will der Inhaber einer PMA das Produkt so ändern, dass Sicherheit oder Wirksamkeit betroffen sind, muss er nach 21 CFR 814.39 vorher ein PMA Supplement einreichen und genehmigen lassen. Die Verordnung nennt als Beispiele neue Indications for Use, Änderungen der Kennzeichnung, der Verpackung, der Sterilisation sowie der Design- oder Leistungsspezifikationen. Änderungen ohne Einfluss auf Sicherheit und Wirksamkeit werden in den periodischen Berichten gemeldet. Das gilt auch für Änderungen im Rahmen eines genehmigten Predetermined Change Control Plan (PCCP, vorab festgelegter Änderungsplan).
Das Gesetz und die FDA unterscheiden mehrere Arten:
- Panel-Track Supplement: für eine wesentliche Änderung von Design oder Leistung oder eine neue Indikation, für die umfangreiche klinische Daten nötig sind,
- 180-Day Supplement: für wesentliche Änderungen etwa an Komponenten, Materialien, Design, Software oder Kennzeichnung,
- Real-Time Supplement: für kleinere Änderungen, die in einem gemeinsamen Termin mit der FDA geprüft werden,
- Special PMA Supplement (Changes Being Effected): für Änderungen, die die Sicherheit erhöhen, etwa zusätzliche Anweisungen zur sicheren Anwendung in der Kennzeichnung, und schon vor der Genehmigung umgesetzt werden dürfen,
- 30-Day Notice: für Änderungen an Herstellungsverfahren, die bei unzureichender Mitteilung zu einem 135-Day Supplement wird.
Human Factors in der PMA
Welche Human-Factors-Informationen eine Einreichung enthalten soll, beschreibt die FDA-Guidance „Content of Human Factors Information in Medical Device Marketing Submissions“ (Inhalt von Human-Factors-Informationen in Marktzugangsanträgen). Sie ist seit dem 29. Mai 2026 final und gilt ausdrücklich auch für PMAs. Für Einreichungen vor dem 1. August 2026 erwartet die FDA die neu empfohlenen Inhalte im Allgemeinen noch nicht (Stand Oktober 2026). Die Guidance ergänzt die FDA Human Factors Guidance und stellt klar, dass Human-Factors-Informationen nur ein Bestandteil der Gesamtbewertung sind.
Die Guidance ordnet jede Einreichung einer von drei HF Submission Categories zu. Ausgangspunkt ist die Nutzungsrisikoanalyse (URRA). Entscheidend ist, ob es gefährdungsbezogene Nutzungsszenarien im Sinne der IEC 62366-1 gibt, von der FDA als kritische Aufgaben (Critical Tasks) bezeichnet. In der höchsten Kategorie reicht der Hersteller einen vollständigen HFE/UE Report mit den Ergebnissen der Human-Factors-Validierung ein. Solche Daten sind nach der Guidance wahrscheinlich nötig, wenn die Benutzungsschnittstelle komplex ist oder die Produktart für Anwendungsfehler bekannt ist.
Für eine PMA ist die Kennzeichnung doppelt bedeutsam. Das Gesetz verlangt, dass die FDA ihre Entscheidung auf die Anwendungsbedingungen in der vorgeschlagenen Kennzeichnung stützt, und eine falsche oder irreführende Kennzeichnung ist ein Ablehnungsgrund. Zugleich zählt die Guidance Kennzeichnung und Training im Einklang mit der IEC 62366-1 zur Benutzungsschnittstelle. Ändert sich bei einem zugelassenen Produkt die Benutzungsschnittstelle, der Kreis der Benutzer, die Anwendung, die Nutzungsumgebung, das Training oder die Kennzeichnung, ist deshalb zu prüfen, ob kritische Aufgaben betroffen sind. Ob dafür ein PMA Supplement nötig ist, richtet sich nach 21 CFR 814.39, nicht nach der Guidance.
Die Grundlage liefern die Design Controls (siehe QMSR und Design Controls). Seit dem 2. Februar 2026 gilt die Quality Management System Regulation (QMSR), die ISO 13485 per Verweis einbindet. Hersteller von Produkten der Klassen II und III müssen nach 21 CFR 820.10(c) die Anforderungen an Entwicklung (Abschnitt 7.3 der ISO 13485) erfüllen. Die FDA empfiehlt, Human-Factors-Informationen unabhängig davon vorzuhalten, ob sie eingereicht werden. Bei der PMA kommt hinzu, dass die Genehmigung von einer Inspektion abhängen kann, die die Konformität mit Part 820 bestätigt.
Die PMA ist das Zulassungsverfahren der FDA für Medizinprodukte der Klasse III nach Section 515 FD&C Act und 21 CFR Part 814. Anders als bei der 510(k) zeigt der Hersteller keine Gleichwertigkeit, sondern belegt mit gültiger wissenschaftlicher Evidenz, in der Regel klinischen Daten, die Sicherheit und Wirksamkeit.
Nach Filing innerhalb von 45 Tagen sieht die Verordnung einen Prüfzeitraum von 180 Tagen vor, oft mit Beratungsgremium und Inspektion. Spätere Änderungen laufen über PMA Supplements.
Für Human Factors gilt die 2026 finalisierte FDA-Guidance zum Inhalt von Human-Factors-Informationen auch für PMAs. Kennzeichnung, Training und Design Controls sind dabei zentrale Bausteine.
Häufige Fragen (FAQ)
Wann braucht ein Medizinprodukt eine PMA statt einer 510(k)?
Eine PMA ist für Produkte der Klasse III erforderlich, also in der Regel für Produkte, die lebenserhaltend oder lebensunterstützend sind oder ein potenziell unzumutbares Risiko bergen und für die allgemeine und besondere Kontrollen allein nicht ausreichen. Ist ein Produkt einem rechtmäßig vermarkteten Produkt wesentlich gleichwertig, verweist die FDA dagegen auf die 510(k).
Sind für eine PMA klinische Daten erforderlich?
Die FDA stützt sich nur auf gültige wissenschaftliche Evidenz. Der Wirksamkeitsnachweis soll hauptsächlich aus gut kontrollierten Studien stammen, sofern die FDA nicht ausnahmsweise andere Evidenz zulässt. Ein PMA-Antrag enthält deshalb in aller Regel klinische Prüfungen am Menschen. Auch Daten aus dem Ausland können ausreichen, wenn sie auf die Verhältnisse in den USA übertragbar sind.
Wie lange dauert die Prüfung einer PMA?
Die Verordnung sieht vor, dass die FDA innerhalb von 45 Tagen über das Filing entscheidet und den Antrag innerhalb von 180 Tagen ab Filing bescheidet. Eine wesentliche Ergänzung des Antrags kann diesen Zeitraum um bis zu 180 Tage verlängern. Diese Fristen beschreiben den regulatorischen Rahmen, nicht die Gesamtdauer eines Projekts.
Muss eine PMA Human-Factors-Daten enthalten?
Das hängt von der Risikobetrachtung ab. Nach der FDA-Guidance zum Inhalt von Human-Factors-Informationen ordnet der Hersteller seine Einreichung einer von drei Kategorien zu. Gibt es kritische Aufgaben und ist die Benutzungsschnittstelle komplex oder für Anwendungsfehler bekannt, erwartet die FDA in der Regel einen vollständigen HFE/UE Report mit Ergebnissen der Human-Factors-Validierung.
Was ist ein PMA Supplement?
Ein PMA Supplement ist ein Ergänzungsantrag zu einer bereits genehmigten PMA. Der Inhaber muss ihn vor Änderungen einreichen, die Sicherheit oder Wirksamkeit betreffen, etwa neue Indikationen oder Änderungen an Kennzeichnung oder Design. Je nach Art der Änderung gibt es unterschiedliche Formen, vom Panel-Track Supplement bis zur 30-Day Notice.
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Mehr zu unserem Usability EngineeringQuellen
- FDA Guidance: Content of Human Factors Information in Medical Device Marketing Submissions
- FDA Guidance: Applying Human Factors and Usability Engineering to Medical Devices
- 21 CFR Part 820, Quality Management System Regulation (QMSR)
- 21 CFR Part 803, Medical Device Reporting
- ISO 13485:2016, Medical devices, Quality management systems, Requirements for regulatory purposes
- IEC 62366-1:2015+AMD1:2020, Medical devices, Part 1: Application of usability engineering to medical devices
- 21 CFR Part 814, Premarket Approval of Medical Devices
- 21 CFR Part 860, Medical Device Classification Procedures
- Federal Food, Drug, and Cosmetic Act, Section 515 (21 U.S.C. 360e), Premarket approval
- Federal Food, Drug, and Cosmetic Act, Section 737 (21 U.S.C. 379i), Definitions
- FDA: Premarket Approval (PMA)
- FDA: PMA Review Process
- FDA: PMA Supplements and Amendments
- FDA: PMA Application Methods
Verwandte Begriffe
- FDA Human Factors Guidance
- Human-Factors-Validierung (Human Factors Validation Testing)
- HFE/UE Report (Human Factors Report)
- Kennzeichnung (Labeling)
- Nutzungsrisikoanalyse (Use-related Risk Analysis, URRA)
- Kritische Aufgabe (Critical Task)
- Design Input / Design Output
- Marktbeobachtung (Post-Market Surveillance)