Fokusgruppe

Fokusgruppe

„Die Fokusgruppe ist eine kreative Diskussion zum Produkt mit einer diversen Gruppe an Nutzern.“

Die Methode lässt sich im Bereich User Research einordnen und hat das Ziel Nutzungsanforderungen und Bedürfnisse der Nutzer für ein Produkt, das entwickelt werden soll, zu erfassen. Deshalb ist es sinnvoll die Fokusgruppe während der Kreativphase, zu Beginn des Entwicklungsprozesses, durchzuführen. Im Design Thinking Prozess bedeutet das, dass die Fokusgruppe in der „Empathize“-Phase, also der ersten Phase stattfinden sollte. Im Usability Engineering Prozess in der Medizintechnik fällt die Fokusgruppe in den Bereich der Use Specification. In der Fokusgruppe werden dabei verschiedene Konzepte, frühe Prototypen und Ideen mit repräsentativen Nutzern diskutiert. Das heißt, die Teilnehmer werden so ausgewählt, dass sie die tatsächlichen Nutzer widerspiegeln. Bei der Wahl sollten dafür die demografischen Merkmale, Vorkenntnisse zur Nutzung des Produkts sowie relevante soziale und berufliche Hintergründe berücksichtigt werden.

Tipp:
„Je nach Produkt können neue Konzepte auch als Prototypen am Vorgängermodell angebaut oder dargestellt werden.“

Die Fokusgruppe ist ideal um die Bedürfnisse und Gefühle der Nutzer zu erfassen. Für die Evaluation eines Interfaces hingegen ist sie nicht geeignet, da die Gruppendynamik die Erfassung eines ehrlichen und heterogenen Meinungsbildes verhindert.

Vorbereitung der Fokusgruppen

Um eine gute Gruppendynamik zu erhalten, sollte sich die Fokusgruppe aus 5 bis 10 Teilnehmer zusammensetzen. Für die Durchführung der Fokusgruppe werden zwei Mitarbeiter benötigt. Zum einen den Leiter, der die Befragung durchführt und die Gruppendiskussion steuert und zum anderen ein Protokollant, der die Ergebnisse festhält. Das Ziel des Protokollanten ist es, die wichtigsten Eckpunkte der Diskussion, Ideen und Bedenken festzuhalten und offene Fragen für die Abschlussdiskussion zu dokumentieren. Auch prägnante Zitate oder besondere Situationen sollten vom Protokollanten erfasst werden. Um Schwierigkeiten bei der Nutzung des Produkts durch die Teilnehmer oder Ideen und Anregungen festzuhalten, sollten hiervon während der Fokusgruppe Fotos gemacht werden, die in die Auswertung integriert werden können.

Die Fokusgruppe muss detailliert vorbereitet werden. So sollten die benötigten Prototypen bzw. Veranschauungsmaterialen generiert werden. Außerdem sollten ein Ablauf und ein Leitfaden für die zu behandelten Themen erstellt werden. Für die Dauer der Fokusgruppe sollten circa zwei Stunden eingeplant werden. Innerhalb dieses Zeitraums kann die Konzentration und Motivation der Teilnehmer auf einem hohen Niveau gehalten werden.

Ablauf einer Fokusgruppen

Typischerweise beginnt die Fokusgruppe mit der Vorstellung der Fokusgruppenleitung und der Teilnehmer sowie einer kurzen Einführung in das Produkt, um das es sich in der Fokusgruppe dreht.

Bevor die Teilnehmer das Produkt bzw. die Prototypen begutachten und testen dürfen, werden sie im zweiten Schritt auf theoretischer Basis z. B. an Hand eines Fragebogens zu dem Produkt befragt. Dadurch können zunächst der erste Gesamteindruck, Erwartungen und Befürchtungen der Teilnehmer erfasst werden, bevor in der späteren Diskussion auf einzelne Details und Aspekte eingegangen wird.

Erst im dritten Schritt werden die Teilnehmer mit dem Produkt oder Prototyp konfrontiert. Die Teilnehmer sollen an Hand des Produkts oder Prototyps verschiedene Szenarien durchspielen und diskutieren. Dieser Schritt hat für gewöhnlich den größten zeitlichen Anteil der Fokusgruppe. Die Aufgabe des Leiters ist es, die Diskussion zu leiten und dabei auf die Ideen und Meinungen der Teilnehmer einzugehen.

Für die Gruppendiskussion kann auf verschiedenste Befragungstechniken zurückgegriffen werden. So können beispielsweise verschiedene Konzepte vorgestellt werden, aus denen die Teilnehmer die geeignetste auswählen oder die sie nach verschiedensten Aspekten priorisieren sollen. Die Teilnehmer Rollenspiele durchführen zu lassen oder sie dazu auffordern sich vorzustellen, wie sie das Produkt in bestimmten Situationen benutzen würden, bietet sich für diesen Schritt an.

Je nach Produkt ist für diesen Schritt ein Wechsel in einen anderen Raum sinnvoll, in dem das Produkt bzw. die Prototypen aufgebaut sind, sowie die benötigten Materialien für die Gruppendiskussion.

Im letzten Schritt mit den Teilnehmern, fassen der Fokusgruppenleiter und der Protokollant die Ergebnisse zusammen und klären noch die vom Protokollanten aufgeschriebenen, offenen Fragen. Anschließend werden die Teilnehmer verabschiedet.

Auswertung der Fokusgruppen

Es empfiehlt sich, dass sich der Fokusgruppenleiter und der Protokullant direkt nach der Fokusgruppe zusammensetzen und die Ergebnisse in einem kurzen Report widergeben. Mit Hilfe des Protokolls kann später eine detaillierte Auswertung durchgeführt werden.

Tipp:
„Eine Video- bzw. Audioaufnahme von der Fokusgruppe können bei der Auswertung sehr hilfreich sein. Dies erhöht allerdings den Arbeitsaufwand und eine Zustimmung der Teilnehmer muss zwingend eingeholt werden.“

Neben den Ergebnissen der Gruppendiskussion ist es für die Auswertung wichtig, die Gruppendynamik zu berücksichtigen. Entscheidende Aspekte hierbei sind beispielsweise, ob die Gruppe durch einen oder mehrere Teilnehmer dominiert wurde oder ob sich einzelne Teilnehmer zurückgehalten haben. Wenn Aspekte besonders intensiv oder hitzig diskutiert werden, spiegelt dies beispielsweise Relevanz oder die polarisierende Eigenschaft des Aspekts wider. Auf diese Aspekte sollte im weiteren Entwicklungsprozess ein Fokus gelegt werden.  Auffälligkeiten, wie eine spezielle Wortwahl oder häufige Wiederholungen derselben Aussage, können ebenfalls aufschlussreich sein.

Generell ermöglicht das Durchführen mehrerer Fokusgruppen ein vielseitigeres und repräsentativeres Ergebnis.

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Normen/Nachschlagewerke:

Nielsen Norman Group: Nielsen, Jakob: The Use and Misuse of Focus Groups. (01.01.1997) (link)

 

Interaction Design Foundation: How to Conduct Focus Groups. (2020) (link)