Abnormale Benutzung (Abnormal Use) bezeichnet nach IEC 62366-1 ein bewusstes und absichtliches Handeln des Nutzers, das im Widerspruch zur vom Hersteller vorgesehenen Verwendung steht und über eine übliche Fehlbenutzung hinausgeht.
Beispiele sind das absichtliche Umgehen von Sicherheitsmechanismen, das Manipulieren von Schutzvorrichtungen oder die Nutzung entgegen ausdrücklicher Warnungen in der Gebrauchsanweisung. Entscheidend ist die Absicht: Der Nutzer handelt nicht aus einer nachvollziehbaren Fehlinterpretation heraus, sondern bewusst regelwidrig.
Anders als der Use Error wird abnormale Benutzung im Usability-Engineering-Prozess nicht primär durch Gestaltungsmaßnahmen an der Benutzungsschnittstelle adressiert, sondern liegt teilweise außerhalb des unmittelbaren Verantwortungsbereichs des Herstellers. Dennoch sollten vorhersehbare Formen abnormaler Benutzung im Rahmen des Risikomanagements betrachtet werden, etwa durch Schutzmaßnahmen, die ein Umgehen erschweren, oder durch gezielte Schulung.
Regulatorischer Bezug
Die Abgrenzung zwischen Use Error und abnormaler Benutzung ist zentral für die Nutzungsrisikoanalyse nach IEC 62366-1 und das Risikomanagement nach ISO 14971, weil sie bestimmt, welche Maßnahmen ein Hersteller ergreifen muss und welches Verhalten außerhalb einer angemessenen Sorgfaltspflicht liegt.